Stadttheater Bern

LETZTE TAGE

von Lothar Kittstein
Schweizer Erstaufführung

Normalerweise wäre ich aufgestanden, hätte mich fertig gemacht und wäre zur Arbeit gegangen.

Eine einsame Villa auf dem Hügel. Eine Fernsehmoderatorin macht sich für ihren Arbeitstag fertig. Da rutscht ihr das Handy aus der Hand, zerspringt auf dem Marmorboden der Küche – und plötzlich geht der Tag nicht mehr weiter. Der kleine Unfall wächst zum unüberwindlichen Hindernis.
Zur gleichen Zeit zögert eine junge Frau in zerknitterten Kleidern vor dem halb offen stehenden Eingangstor zum Park. Wird sie hinaufgehen? Ihre Absichten und ihr Verhältnis zu der Frau auf dem Hügel scheinen widersprüchlich. Ein ums andere Mal tritt sie den Weg an, hinauf durch den Wald, bis zu dem Haus, das unheimlich fremd und doch seltsam vertraut ist.
In repetitiven Textschleifen bewegen sich die Frauen aufeinander zu: Mutter und Tochter? Alte Feindinnen? Zwei Liebende? Die Vorgänge und selbst die Gegenstände gewinnen ein seltsames Eigenleben. Wie kommen die Schnecken auf die Einfahrt? Und wer hat den glühenden Zigarettenstummel vor dem Gittertor fallengelassen?

Niedlich. Blond. Aber niedlich. Ich denke noch, was machst du, wenn das eine Trickdiebin ist? Oder noch schlimmer, eine ohne Trick. Eine, die da hinten, hinter dem Rhododendron ihren Freund versteckt hat, mit dem grossen Messer.

Was realistisch wie ein Fernsehkrimi beginnt, wird immer rätselhafter in den differenten Wahrnehmungsweisen der zwei Frauen. Der Blick fokussiert mehr und mehr das Detail, den Schlüssel zum Verständnis des Ganzen. Bis der Zuschauer sich entlang der kleinen zu Tage tretenden Nebensächlichkeiten selber aus dem Labyrinth der beiden Erzählungen befreien kann und zu einer überraschenden Erkenntnis kommt.

Bernhard Mikeska arbeitet als freischaffender Regisseur, u. a. am Theaterhaus Gessnerallee Zürich, HAU Berlin, Schauspiel Frankfurt. Er ist Mitbegründer der Gruppe mikeska:plus:blendwerk. Seine Produktion «Rashomon :: TRUTH LIES NEXT DOOR» (2006), eine Installation für je einen Beobachter, wurde zum Festival Impulse, zu den Autorentheatertagen des Thalia Theaters Hamburg (2009) sowie zu Festivals nach Krakau und Teheran eingeladen. mikeska:plus:blendwerks letzte Schweizer Arbeit war «MARIENBAD :: coming soon» (2009) nach dem Film «Letztes Jahr in Marienbad» von Alain Resnais.

Mit: Franziska Dick, Marianne Hamre | Inszenierung: Bernhard Mikeska | Sounddesign: Fabian Kühlein | Bühne: Barbara Pfyffer | Kostüme: Verena Kopp

VIDMAR:2
SA 15.5. | 19:30 Premiere
SO 16.5. | 18:00 anschliessend Publikumsgespräch

Spieldauer: ca. 1h 30min
Eintritt: 20.–

www. stadttheaterbern.ch